Da liegt er. Der Vertrag mit der Literaturagentur, die meinen ersten Thriller an einen Verlag bringen will. Ich bin erfüllt von Freude und Stolz und kann nicht anders als zu grinsen.

Ich möchte hier kurz skizzieren, wie es zu diesem Vertrag kam und all jenen Mut machen, die ebenfalls den Weg eines Schriftstellers/einer Schriftstellerin gehen möchten.

Und wie könnte es anders sein, ich werde es als Geschichte verpacken. Los geht’s:

Akt 1: Ausgangssituation

Ich gehöre zu den Menschen, die schon immer schreiben wollten. Tatsächlich habe ich in einem alten „Freundschaftsbuch“ aus der Grundschule vor einiger Zeit gelesen, dass ich dort als Berufswunsch bereits „Autorin“ angegeben hatte.

Aber über die Jahre wird man ja realistischer, die Erwartungen des Umfeldes und auch die eigenen wachsen, werden in Formen gepresst und Denkmuster werden eingepflanzt (meistens unbewusst und ohne böse Absicht).

Bei mir war es so, dass ich „erst“ mit Anfang 20 wieder zu schreiben begonnen habe, nachdem ich einige Jahre lang vergessen hatte, wie viel Spaß das macht. Ich schrieb eine Liebeskomödie, entdeckte die Vorzüge des Self Publishings und veröffentlichte meinen ersten Roman im Sommer 2013. Alles lief gut. Ich hatte schnell meine Vorleistungszahlungen wieder drin, schrieb ein neues Buch und veröffentlichte es mit dem Imprint „feelings“, einer Abteilung für E-Books der Verlagsgruppe DroemerKnaur.

Weiter Romane folgten im Selbstverlag. Dieser Weg war für mich der rentabelste und ich mochte die Kontrolle, die ich über alle Aspekte meiner Bücher hatte. Parallel dazu baute ich mein Unternehmen „vom Schreiben leben“ auf und machte mich 2016 damit selbstständig.

Das auslösende Moment

Vier Jahre nach meinem Debütroman wurde ich schwanger und ich musste mich neu organisieren. In meine Überlegungen flossen zwei Dinge ein:

  1. Als Mutter würde ich sehr viel weniger Zeit haben. Wo kann Zeit eingespart werden und wo werden die Prioritäten liegen?
  2. Schon lange hatte ich das Bedürfnis, keine Liebesromane mehr zu schreiben, sondern ins Spannungsgenre zu wechseln. Wäre es eine Idee, dies mit einem Verlag gemeinsam aufzuziehen?

Plot Point 1: Die Entscheidung für den Ruf des Abenteuers

Analytikerin, die ich in diesen Dingen bin, notierte ich mir Vor- und Nachteile diverser Lösungen und entwickelte schließlich den Plan, dass ich mir für mein Thrillerprojekt eine Agentur suchen würde, die dann dafür sorgen sollte, dass das Buch an einen großen Verlag vermittelt wird.

Natürlich musste ich besagten Thriller auch erst noch schreiben. Eine Idee lag seit einem Jahr vor.

Akt 2: Probleme und Steine im Weg

Voller Tatendrang tat ich – nichts. Also, nichts für den Roman. Ich konzentrierte mich während der Schwangerschaft vollkommen auf mein Business und sorgte dafür, dass ich nach einem Jahr Elternzeit nicht vor einem Schuldenberg und ohne KundInnen dastehen würde. Ich rief meinen Schreibkurs ins Leben und verabschiedete mich 2018 in mein neues Leben als Mutter und somit in ein Jahr Elternzeit.

Ich genoss diese Zeit. Sehr. Mein Baby war sehr pflegeleicht und im Nachhinein würde ich dieses eine Jahr sogar als Sabbatical bezeichnen. Ich bekam Abstand vom bunten Treiben der Geschäftswelt und war voll und ganz in meiner kleinen Familienblase.

Leider schrieb ich nicht. Oder sagen wir: Selten. Was ich schrieb, gefiel mir nicht. Dennoch erstellte ich mehrere Exposés für meinen Thriller, die ich aber an niemanden schickte. Einerseits wollte ich gerne endlich meinen Thriller schreiben, aber andererseits merkte ich, dass meine Idee noch nicht richtig „funktionierte“. Ich sprach auch mit einer Lektorin, die mir wertvolle Impulse gab, aber es machte noch nicht „klick“.

Irgendwann im Laufe des Jahres 2018 erfuhr ich dann von der „Bestseller-Methode“ und plottete meinen Roman von Grund auf neu.
Und dieses Mal klappte es. Ich spürte: Jetzt habe ich eine gute Idee und eine solide Grundlage.

Ich erstellte ein weiteres Exposé (es musste die siebte oder achte Variante sein) und schickte es mitsamt einer lektorierten Leseprobe (die ich mit mittlerweile fast eineinhalbjährigem Kind ja erstmal schreiben musste) im Sommer 2019 an eine der größten Literaturagenturen Deutschlands.

Midpoint: Der Versuch schlägt fehl.

Ich hörte nichts von ihnen. Bis heute haben sie nicht geantwortet, was eine Absage ist.

Lass mich ehrlich sein: Ich war davon überzeugt, dass sie mich mit Kusshand nehmen würden (tief stapeln liegt mir in Bezug auf meine Fähigkeiten nicht wirklich 😉 ). Nichts zu hören, hat mich enttäuscht. Aber ich habe in meinem Leben schon so viele Dinge nicht nach Plan A gemacht, dass die Enttäuschung nicht lange vorhielt.

Ich schrieb weiter an meinem Buch. Mittlerweile war die Große in der KiTa und ich war mit Baby 2 schwanger. Neue Planungen für 2020 standen an und es ergaben sich die gleichen Fragen:

  • Wie kann ich Zeit sparen?
  • Was ist mit meinem Roman?

Akt 3: Neuer Plan

Während ich in meiner ersten Schwangerschaft den Fokus ganz auf die Aufrechterhaltung von „vom Schreiben leben“ gelegt hatte, veränderte sich der Schwerpunkt dieses Mal. Ich wusste ja bereits, mit welchem Elterngeld ich ungefähr rechnen konnte (Hinweis: durch meine Selbstständigkeit und die vorhergegangene Elternzeit konnte ich eine Ausnahmeregelung geltend machen und mein Gehalt von 2017 als Berechnungsgrundlage nehmen lassen, weshalb ich schon wusste, was ich bekommen würde) und wie das Leben mit Baby aussieht (auch wenn man an dieser Stelle sagen muss, dass jedes Baby natürlich anders ist. Außerdem hatte ich nicht damit gerechnet, wegen Corona nicht wie geplant arbeiten zu können, aber das steht auf einem anderen Blatt).

Ich nahm mir vor, den ersten Entwuf des Romans bis Ende 2019 zu beenden und schickte im November eine Bewerbung an die Verlagsagentur Lianne Kolf, die schon seit meiner ersten Recherche Jahre zuvor ganz oben auf meiner Wunschliste stand.

Es dauerte ein paar Wochen, ehe ich die Rückmeldung mit vorsichtigem Interesse bekam:

Wir würden gerne mehr lesen. Wie weit sind Sie mit Ihrem Manuskript aktuell?

Ich schickte ihnen zunächst einmal meine sehr detaillierte Outline, die die geplanten Kapitel beinhaltete und wir verblieben so, dass ich mich nach der Geburt meiner Tochter wieder melden würde, sobald es mehr zu lesen gab.

Ich organisierte meinen Alltag so, dass ich jeden Tag schreiben konnte.

Das bedeutete zwar, dass ich in der Regel zwischen 4 und 5 Uhr morgens aufstehen musste (und es auch aktuell noch so mache), aber es half: Das Manuskript wuchs.

Dann suchte ich mir Kolleginnen, mit denen ich mein Exposé noch einmal richtig aufpolierte.

Ich bin meinen beiden Autorenkolleginnen so unendlich dankbar, dass sie sich die Zeit genommen haben, um mein Exposé wieder und wieder zu prüfen und auseinanderzunehmen. Tatsächlich schrieb ich es nach der Kritik, dass es leider nicht spannend oder emotional sei, noch einmal komplett neu. In einem anderen Beitrag werde ich darauf ausführlicher eingehen.

Drei Monate nach meiner Bewerbung schickte ich mein neues Exposé (das übrigens 4 Seiten hatte und damit theoretisch zu lang war) und eine Leseprobe von 257 Seiten an die Agentur.

Finale und Auflösung

Zwei Wochen später erhielt ich die Nachricht der Agentur, dass ihnen meine Leseprobe gefällt und sie auf das gesamte Manuskript gespannt sind.

In der Anlage war der Vertragsentwurf für eine Zusammenarbeit.

Agentur Vertrag

Epilog

Bei mir hat es also gleich im zweiten Versuch geklappt. Manche brauchen länger, bei anderen wird sofort die erste Bewerbung angenommen. Es lässt sich nicht planen.

Was man aber planen kann:

  • Glaube an dich und dein Projekt
  • Stecke viel Arbeit in das Exposé. Überarbeite es mehrfach. Und nochmal.
  • Lasse dein Exposé von kundigen Menschen prüfen und überarbeite es wieder. Es muss knallen und auf den Punkt sein (ganz besonders bei DebütautorInnen!)
  • Schreibe deine Leseprobe oder gleich das ganze Manuskript und überarbeite es mehrfach.
  • Ziehe ein Lektorat in Erwägung.

Eine Agentur ist natürlich noch kein Verlagsvertrag. Die Reise ist für dieses Projekt also noch nicht zu Ende. Derzeit schreibe ich am Finale und hoffe, in den nächsten zwei Wochen fertig zu werden – ein surreales Gefühl, wenn man seit fast vier Jahren an einem Projekt arbeitet, das so unendlich viel durchgemacht hat.

Wie es mit allem weitergeht, werde ich natürlich gerne hier berichten. Abonniere meinen Newsletter, um weitere Tipps und Erfahrungen zum kreativen Leben zu erhalten oder folge mir auf Instagram für weitere Einblicke.

4 Comments

  • Lucy Posted 4. Juni 2020 21:23

    Gratuliere! Ich frage mich, wo bekomme ich professionellere Hilfe bezüglich des Exposé wenn in meinem Umfeld niemand aus dieser Branche ist oder nicht schreibt? Hast du Tipps?

  • Gabriele Helbig Posted 27. April 2020 14:27

    Gratulation zum Vertrag! Ich gebe zu, dass mich alles andere auch sehr überrascht hätte. Ich teile durchaus deine Einschätzung deiner Fähigkeiten.

  • Petra Jakoby Posted 26. April 2020 20:08

    Hallo Annika,
    herzlichen Glückwunsch zum Agenturvertrag mit Liane Kolf. Ich bin sicher, dass du einen guten Thriller schreibst und die vielen Tipps, die du uns so häufig gibst, umsetzt. Weiterhin viel Erfolg und vielen Dank für deine Anregungen und Hinweise. zu möglichen Hindernissen.
    Petra

  • Bina Posted 25. April 2020 07:33

    Klasse Beitrag! Spannend, ehrlich, emotional.
    Ich kann mich richtig mitfreuen.
    Bin gespannt, welcher Verlag deinen Roman drucken wird

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