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ANNIKA BÜHNEMANN

kreativ leben . frei bleiben . minimal werden .

Buchempfehlung: „Krokodilwächter“ von Katrine Engberg

Buchempfehlung: „Krokodilwächter“ von Katrine Engberg

Neulich schlenderte ich durch unsere Innenstadt und kam am Buchladen vorbei. Natürlich zog es mich direkt hinein. Obwohl ich schon seit Jahren überwiegend E-Books lese oder Hörbücher höre – unter anderem auch, um meinem Minimalismus zu frönen und die Regale nicht mit Büchern vollzustopfen – hatte ich Lust auf einen guten alten Thriller im Taschenbuchformat.
„Was können Sie mir empfehlen?“, fragte ich die Buchhändlerin, und ich erklärte ihr, dass ich am liebsten Bücher lese, in denen es nicht direkt um Polizeiarbeit geht, sondern um Frauen, die unverschuldet in große Schwierigkeiten geraten.

Krokodilwächter ist eigentlich gar nicht mein Geschmack.

Sie schlug mir zwei Bücher vor. Das eine handelte von einer Frau, die im Rückblick über ihre Entführung schrieb (leider ist mir der Titel bereits wieder entfallen), das andere war „Krokodilwächter„* von Katrine Engberg. Der Klappentext machte mich neugierig:

Gerade erst war Julie nach Kopenhagen gezogen, um Literatur zu studieren. Warum musste sie so jung sterben? Erstochen und von Schnitten gezeichnet? Es ist ein schockierender Fall, in dem Jeppe Kørner und Anette Werner ermitteln. Als bei Julies Vermieterin ein Manuskript auftaucht, in dem ein ähnlicher Mord geschildert wird, glauben die beiden, der Aufklärung nahe zu sein. Aber der Täter spielt weiter.

Gut, es ging anscheinend doch um Polizeiarbeit, aber die Idee, Morde aus Büchern nachzustellen, versprach Unterhaltung, wenn man das mal so makaber sagen darf. Ich weiß, dass diese Idee nicht neu ist, aber mein Interesse war geweckt. Also kaufte ich den Thriller und begann in meinem Urlaub mit dem Lesen.

Sehr guter Stil, plausible und komplexe Geschichte

Die Autorin hat es tatsächlich geschafft, dass ich länger aufgeblieben bin als geplant und dass ich einen Thriller (eigentlich eher ein Krimi in meinen Augen, da es sich um Kriminalbeamte handelt, die nicht selbst einer Gefahr ausgesetzt sind) gelesen habe, in dessen Mittelpunkt ein Polizistenteam steht.

Der Schreibstil von Katrine Engberg ist wirklich sehr angenehm zu lesen und auf einem wunderbaren Niveau: Nicht so abgehoben, dass es den Unterhaltungsfluss stört, aber eben auch nicht platt. Sie schafft es wunderbar, Dinge zwischen den Zeilen mitzuteilen, ohne sie direkt auszusprechen. Hier beispielsweise eine Szene des Ermittlungsteams, in der man mehr über Jeppe Kørner, die Hauptfigur, erfährt:

Anettes Hände fanden keine Ruhe, sie sah aus wie jemand, der eine Zigarette brauchte. Auch Jeppe hätte gern eine geraucht, was nicht mehr oft der Fall war. Er hatte zu rauchen aufgehört, als er und Therese ihren Kinderwunsch in die Tat umsetzen wollten, und es war ihm nicht sonderlich schwergefallen. Also, mit dem Rauchen aufzuhören. (…) Nur beim Biertrinken fehlte es ihm immer noch. Und eigentlich gab es jetzt ja auch nichts mehr, was ihn daran hinderte, wieder anzufangen.

Außerdem möchte ich erwähnen, dass die Autorin in „Krokodilswächter“ eine komplexe Geschichte erdacht hat, die sie aber schön säuberlich auffädelt und alle Handlungsstränge sehr verständlich zusammenführt. Zwar hätte ich mir hier und da noch mehr Bedeutung für manche Nebenfiguren gewünscht, beispielsweise die Bekanntschaft mit Anna Harlov, einer Bekannten der Autorin, deren Idee in die Tat umgesetzt wurde, aber entweder wird dieser Handlungsstrang in anderen Büchern mit Jeppe Kørner und Anette Werner weitergeführt, oder aber es war einfach nur eine Nebenhandlung, die irgendwie da war. Einen echten Punktabzug würde ich dafür nicht erteilen.

Das geht noch besser:

Das Ermittlungsduo hat mich nicht angesprochen. Der Kommissar ertrinkt mir persönlich etwas zu sehr in Selbstmitleid und mit Anette werde ich einfach nicht warm, weil ich auch nichts Persönliches über sie erfahre, außer dass sie schlechte Manieren hat und anscheinend eine perfekte Ehe. Ich würde mir mehr Tiefe, mehr Charakter für die Figuren wünschen. Sie werden mir leider nicht im Kopf bleiben. Dass die Autorin das eigentlich kann, hat sie mit der Figur der Esther di Laurenti schon bewiesen.

Zudem hätte ich mir persönlich gewünscht, dass der Plot mit dem Manuskript mehr ausgebaut worden wäre, aber das ist wohl eh eine alte Schriftsteller-Krankheit 😉

Fazit: Ein guter Roman und eine interessante Autorin

Die Lektüre von „Krokodilswächter“ (der Titel wird natürlich im Laufe des Romans erläutert) hat mir sehr gut gefallen und ich würde weitere Bücher von Katrine Engberg lesen. Dieses Debüt ist ihr sehr gut gelungen und ich kann euch empfehlen, Jeppe und Anette eine Chance zu geben. Spannend bis zum Schluss mit ein paar Überraschungen und einer sehr gut durchdachten Geschichte!

Hier kannst du das Buch bei Amazon ansehen oder hier bei Thalia. Oder in deinem örtlichen Buchhandel!

  • Autorin: Katrine Engberg
  • Titel: Krokodilwächter
  • Seitenumfang: 512 (495 Seiten fasst die eigentliche Geschichte)
  • Erschienen am 20.03.2019
  • Verlag: Diogenes
  • ISBN: 978-3-257-24480-9

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